Heimatverein Ottersleben e.V. Online

Übersicht

 

Erstmals erwähnt wird unser Ort nach 900. Zur Verteidigung kriegerischer Horden der Magyaren oder Ungarn teilte König Heinrich I. seinen Herrschaftsbereich in Bezirke oder Burgwarde und ließ Burgen und Schlösser zum Schutz der Bewohner errichten. Ottersleben wird in diesem Zusammenhang als "pertinentia ad castellum" (Zubehörungen zur Burg) Magdeburg erwähnt.
 

Als Kaiser Otto I., der Große, am 21.September 937 das Benediktiner-Kloster St.Petri, Mauritii und Innocentii in Magdeburg stiftet, beschenkte er es unter anderem mit den Dörfern Ottersleben und Liemundesdorf (Lemsdorf).

Am 18.Dezember 1209 bestätigte Papst Innocenz III. in Rom dem Kloster Berge alle Besitzungen um Magdeburg, darunter 3 Hufen in Otterslove.

Harte Winter, Mißernten, Hungersnöte und Pest sowie der Krieg zwischen Friedrich von Sicilien und Kaiser Otto IV. sorgten Anfang des 13.Jahrhunderts für Elend und Verwüstungen.

In einem Dokument vom 12.Mai 1245 wird zum ersten Mal Groß Ottersleben von Klein Ottersleben unterschieden. "An diesem Tage überwies nämlich Erzbischof Wildbrand dem Domkapitel, als Ersatz für einen Teil der ihm gehörigen Kurien, die er dem Predigerkloster in Magdeburg geschenkt hatte, 1 Hufe in Groß Ottersleben, welche 10 Schilling zinst".

Möglicherweise bereits zu Beginn des 10.Jahrhunderts, also zur Zeit Heinrichs des Städtebauers, wurde das Dorf Ottersleben zum Schutze gegen die Hunnen befestigt. Auf einem kleinen Wall rings um das Dorf hatte man eine feste Mauer errichtet. Der davor angelegte Graben diente zugleich dazu, das anfallende Regenwasser in die Klinke abzuleiten. An fünf Stellen führten Tore durch die Mauer, die bis über das Jahr 1739 in brauchbarem Zustand gehalten wurden. Hölzerne Brücken dienten zum Überqueren des Grabens.

Die Gehöfte waren so angelegt, daß die Wohnhäuser in Richtung Ortsmitte an der Straße lagen und die Gärten an die Befestigungsmauer stießen. Den Mittelpunkt des Ortes bildete die Gerichtsstätte mit dem Gemeindehaus.

Etwa zwischen 1300 und 1400 erfolgte bereits eine Vergrößerung des Ortes.

Kriegerische Auseinandersetzungen, Zerstörungen und Ausplünderungen führten Mitte des 15.Jahrhunderts zu schwierigen Zuständen in Ottersleben. Hungersnöte und Mordbrenner erschwerten die Situation.

Die Reformation und die Auseinandersetzungen der katholischen Fürsten Deutschlands gegenüber der Lutherischen Lehre erreichte die Gegend um Magdeburg relativ früh. Das Magdeburger Land gehörte zu den ersten, welche die Reformation einführten. 1625 besetzten daraufhin unter General Wallenstein die Truppen das Bistum Halberstadt und die Gegend um Magdeburg. Wieder beherrschten Zerstörungen, Plünderungen und grausame Auseinandersetzungen mit den Soldaten Wallensteins das Leben in den Siedlungen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Von Groß Ottersleben wird berichtet, daß "weder Stock noch Stiel vom ganzen Dorfe stehen blieb und eine geraume Zeit kein Mensch hier hat hausen können".

Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 begann die Zeit des Wiederaufbaus.

Pest und Pocken führten in den Jahren 1681 bis 1685 zu enormen Sterberaten in der wieder ansässigen Bevölkerung. 1723 gab es in Groß Ottersleben insgesamt ca. 780 Einwohner. Ende des 18. Jahrhunderts lebten hier etwa 1000 Einwohner.

Zur Zeit der Regierung Königs Friedrich des Großen hatten einwanderte Franzosen um Magdeburg den Seidenbau eingeführt und so wurden Ende des 18. Jahrhunderts im Nordosten des Dorfes Anpflanzungen von Maulbeerbäumen angelegt. Die Zichorie wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts angebaut und in den im Ort errichteten Darren (Trocknungsanlagen) weiterverarbeitet. Kommerziell wurde die Wurzel getrocknet, geröstet, vermahlen und zur Herstellung eines Kaffee-Ersatzes gebraucht, der aber einen bitteren Nachgeschmack hat. In beiden Weltkriegen wurde dieser in ganz Europa viel getrunken.

Die kriegerische Expansionspolitik Frankreichs unter Napoleon I am Anfang des 19. Jahrhunderts war auch in Ottersleben spürbar. Militärische Handlungen der kaiserlich-französischen Armee, die Besetzung von Städten und Dörfern und die militärischen Auseinandersetzungen mit freiheitlichen deutschen Kräften gingen auch an Ottersleben nicht ohne Spuren vorüber.
Nach dem dadurch hervorgerufenen Befreiungskrieg 1813-1814 und den daraus resultierenden Reform-Maßnahmen des preußischen Staates setzte auch in Ottersleben eine bauliche Entwicklung, speziell des Staßenbaus ein.

Die unter preußischer Herrschaft angeordnete Volkszählung ergab 1817 insgesamt 1287 Einwohner, 615 waren davon männlich.

Die Wirtschaftsstruktur in Ottersleben im 19. Jahrhundert zeigt den Wandel von der dörflichen Agrarstruktur zu einer zunehmenden Industrialisierung.

Der wirtschaftliche Aufschwung zog weitere Arbeitskräfte in das Dorf. Vielfach waren es Zuwanderer aus Schlesien, Posen und dem Eichsfeld, die sich jetzt hier ansiedelten. Für die dadurch angewachsene katholische Bevölkerung wurde 1863 eine eigene Gemeinde gegründet.

Die Jahrhundertwende war geprägt durch wachsenden wirtschaftlichen Konkurrenzkampf, der zur Aufgabe einer Zuckerfabrik, der Spiritusbrennerei und einiger Mühlen führte. Nur die Zuckerfabrik von Köhne & Böckelmann sowie einige Zichoriendarren überdauerten diese Zeit. Die 1896 von Carl Hoernecke gegründete Fabrik für pharmazeutische Präparate an der Halberstädter Chaussee war lange Zeit mit bis zu 80 Beschäftigten Magdeburgs größter Privatbetrieb.

Das 20. Jahrhundert brachte einen erheblichen Wandel in der Bevölkerungs- und Baustruktur des Ortes mit sich. Immer mehr in Magdeburg beschäftigte Arbeiter siedelten sich an, so daß Ottersleben zunehmend zur Arbeiterwohngemeinde für Magdeburg wurde.

Die Ausdehnung der Siedlungsbereiche um Alt-Ottersleben und entlang der Halberstädter Chaussee nach Norden führten zu einem Zusammenwachsen der historischen Ortskerne. Hatte Ottersleben 1890 6169 Einwohner, so entwickelte es sich bis 1920 zum größten Dorf Deutschlands.


Flächennutzungsplan 1938 von Groß-Ottersleben

Neue Kleinsiedlungsbereiche waren danach im Osten und Süden sowie im Norden direkt an der Stadtgrenze zu Magdeburg beidseits der Halberstädter Chaussee entstanden.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wird Ottersleben 1952 nach Magdeburg eingemeindet und verliert damit seine Unabhängigkeit. Bis zur Wiedervereinigung 1990 wurde dieser Stadtteil vernachlässigt. Nach dieser Zeit erfuhr Ottersleben, besonders in wohnungsbaulicher und mittelständischer Hinsicht, sowie bei der Erneuerung der Verkehrsstruktur einen rasanten Aufschwung.

 


 

Klein Ottersleben:

Im Gegensatz zu der vorwiegend deutsche Siedlung Groß-Ottersleben ist das Straßendorf Klein-Ottersleben auf slawische Ursprünge zurückzuführen. Der Ort wird erstmals 1289 als selbständiges Dorf erwähnt. Etwa im 14. Jahrhundert konnte Klein-Ottersleben durch das Wüstwerden der benachbarten Dörfer Niendorf und Stemmern seine Flur vergrößern. Besonders hoher Bevölkerungszuwachs ab Mitte des 19. Jahrhunderts sind vornehmlich der Anlage der Köhne und Böckelmann´schen Zuckerfabrik im Jahre 1840 in der Nähe des Dorfes zuzuschreiben.

Die bauliche Entwicklung zu Beginn des 20.Jahrhunderts sowie die enge Verflechtung beider Dörfer führte 1922 zur Vereinigung von Klein- und Groß-Ottersleben.

 


 

Beneckenbeck:

In den alten Urkunden sind bei Ottersleben außer den beide südlich gelegenen Kirchdörfern Appendorf und Abbendorf zwei weitere im Osten gelegene kleine Ansiedlungen erwähnt: Camersdorf und Erpitz. Das Anwesen Erpitz ist auf die Besitzung des slawischen Edlen Erpo zurückzuführen. Beide Orte wurden offensichtlich wüst. Um 1360 erwarb der Ritter Bonike aus Magdeburg den größten Bereich dieser Feldfluren.

Da an den wasserarmen und ungeschützten Stellen der alten Dorf- und Wohnstätten das Wohnen problematisch schien, errichtete der Ritter Bonike das neue Anwesen dicht am Klinkebach, direkt anschließend an Groß-Ottersleben. Er umgab die Wohnstätte mit einem Graben und Wall. Dieser Ort wurde Bonikenbeke (Beke=Bach) genannt.

Die Besitzungen wechselten nach dem Aussterben der Ritterfamilie um 1380 mehrfach den Eigentümer. Ähnlich wie Ottersleben wurde der Ort Bönnikenbek im Dreißigjährigen Krieg völlig verwüstet und bis auf die Grundmauern zerstört.

Wieder erfolgten verschiedene Besitzerwechsel. 1683 waren in dem Ort insgesamt 15 Hauswirte wohnhaft, so daß die Gesamteinwohnerzahl sicher unter 100 Menschen betragen hat. Als 1699 der Erbherr auf Bönnikenbek, Stephan von Lentke, verstarb, wurde nach einer Vereinbarung alles in drei Güter aufgeteilt und den Söhnen vererbt. Durch die Teilung verlor das Gut Bönnikenbek seine Eigenschaft als Rittergut. Jedes der drei neu gebildeten Güter erhielt den Status eines Freigutes. Die Besitzer errichteten die zur Bewirtschaftung ihrer Höfe notwendigen Wohn- und Nebengebäude, was zur einer baulichen Entwicklung des Ortes führte.

Durch die Bebauung weiterer in der Nähe der Ottersleber Grenze liegender Äcker, des Krugcamps und des Wittwenkamps wuchs die Bevölkerung rasch an und zählte 1885 bereits 764 und 1890 insgesamt 1051 Einwohner. Diese neuen Einwohner waren im Regelfall Arbeiterfamilien, die in den Fabriken Magdeburgs sowie der Vorstadt Arbeit fanden.

1886 wurde einer der Höfe in eine Gärtnerei umgewandelt, das Gelände wurde jedoch bereits zur Jahrhundertwende mit Stadthäusern bebaut.

Benneckenbeck war immer in der Nachbargemeinde Ottersleben eingepfarrt und besaß auch keine eigene Schule. Seit 1816 gehörte Benneckenbeck zum Amtsbezirk Groß-Ottersleben. 1920, also noch zwei Jahre vor der Vereinigung von Klein- und Groß-Ottersleben, wurde Benneckenbeck in Groß-Ottersleben eingemeindet.

 


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